Zum Thema: 3 Fragen an ... David Saam

 

LOKALKLANG


Was verstehen Sie unter Volksmusik? Was bedeutet sie für Sie?
Als mein Kollege Christoph Lambertz und ich im Jahre 2003 den ersten Antistadl in Bamberg veranstalteten, hatten wir auf das Plakat geschrieben: „Volxmusik ist Rock ʼnʼ Roll!" Einerseits wollten wir uns durch die Schreibweise mit x von den Klischees der volkstümlichen Schlagersoße, andererseits aber auch von einem aus unserer Sicht arg verknöcherten, engstirnigen Umgang mit traditioneller Musik abheben.
Und trotzdem ...

 ist unser Volxmusikverständnis im Antistadl ein einschließendes und nicht ausgrenzendes: Wir laden Musiker und ein, die sich auf undogmatische Art und Weise mit Musiktraditionen beschäftigen. Leute, die mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen. Die sich mit den eigenen Wurzeln auseinandersetzen und gleichzeitig Interesse und Respekt für die Wurzeln anderer haben. Unsere Volxmusik kann ein Opa mit seiner Quetsche sein, eine türkisch-griechische Folkrockgruppe, aber auch fränkische Kerwalieder mit urbanen Beats und Raps.
Ich selbst habe erst durch ein Jahr in Finnland gelernt, einen anderen Blick für die eigene Kultur zu entwickeln. Als ich im hohen Norden die tolle traditionelle Musik der Finnen kennengelernt und erfahren habe, wie lebendig und ungezwungen junge Musiker mit dem Erbe ihrer Ahnen umgehen, habe ich mich daheim im Frankenland auf die Suche nach den eigenen Wurzeln begeben und sie in der eigenen Familie bei meinen Eltern gefunden, die in früheren Jahren traditionelle Musik gemacht hatten.

 

 

Sie werden im Kinofilm „Sound of Heimat" porträtiert – was ist Ihr persönlicher „Sound of Heimat" und welche Rolle spielt Heimat für Ihre Musik?

 

Mein persönlicher „Sound of Heimat" findet sich in meinen Bands: Kellerkommando, Boxgalopp, Kapelle Rohrfrei und Lambertz&Saam. Daneben spiele ich aber auch noch in einer Punkrockcombo und in anderen spannenden Projekten.
Schon immer haben sich Musiker von ihrer Umgebung inspirieren lassen. Wenn es in früheren Jahrhunderten vielleicht ein Wandermusikant war, der im Dorf Station gemacht hat, so bieten heute Medien wie das Internet ganz andere Möglichkeiten. Zudem habe ich mich beim Studium der Ethnomusikologie mit vielen verschiedenen Musikkulturen der Welt auseinandergesetzt. Daraus resultieren für mich mehrere musikalische Heimaten, die mir ein Gefühl von Zuhause geben können.
Ganz konkret kann ich aber sagen, dass mir z.B. Lieder, die ich von meinem Vater vorgesungen bekommen habe, oder Stücke, die ich bei Freunden kennengelernt habe, besonders am Herzen liegen. Und ja – auch der fränkische Dialekt spielt für mich eine große Rolle beim Musikmachen. Dialekte sind ein so großer kultureller Schatz, den wir nicht aufgeben sollten.

 

 

Wie sehen Sie die Entwicklung der Neuen Volksmusik – nicht nur in Bayern, wo es insbesondere im Süden einen regelrechten Hype gibt, sondern auch bundesweit?

 

Schön, dass unter den Menschen in Deutschland gerade so eine Offenheit und Neugierde in Bezug auf regionale Eigenheiten herrscht. Toll ist aber auch, dass das immer im Bewusstsein eines globalen Kontextes passiert. Das finde ich auch bei meiner Band Kellerkommando spannend: Wir verbinden die fränkischen Lieder unserer Urahnen mit internationalen Musiktrends von heute, urbanen Beats und modernen Sounds. Und das ist natürlich faszinierend, wenn man dann in Schleswig-Holstein auf einem Festival vor mehreren tausend Menschen jeglichen Alters steht, die tanzen, feiern und singen.

 

 

David Saam, Musiker und Ethnomusikologe, ist Begründer des Festivals „Antistadl – Volxmusik ist RockʼnʼRoll". Boxgalopp ist die Hausband des jährlich stattfindenden „Antistadls". Das Musikerkonglomerat hat sich dem wilden, frechen und ungestümen Musizieren verschrieben. Dabei sehen sie sich in der Tradition der Musikanten vergangener Generationen, greifen Melodien aus Franken und anderen Regionen der Welt auf, vermischen sie im großen Volxmusik-Kochtopf und zaubern daraus Musikstücke zum Tanzen, Zuhören und Mitsingen.
Auch in diversen anderen Formationen wie Kellerkommando, Kapelle Rohrfrei oder in seinem Mitsing-Projekt Lambertz&Saam mixt David Saam traditionelle fränkische Musik mit modernen Musikstilen. Regelmäßig moderiert er zudem die Sendung „Volksmusik aus Franken" auf Bayern 1.