Zum Thema: 3 Fragen an ... Marlene Eberwein



LOKALKLANG

Sie stammen aus einer traditionellen Musikerfamilie – war so der Weg, selbst Musikerin zu werden, in gewisser Weise schon vorgezeichnet?
Diese Frage kann ich uneingeschränkt mit „ja“ beantworten. Ich bin mit dem für mich schönsten „Lokalklang“ aufgewachsen, nämlich dem kompakten und perfektionierten Klangkörper der „Dellnhauser Musikanten“.

Gibt es besondere lokale Klänge, die Sie geprägt haben?
Ja, der Zwiefache, gesungen wie gespielt, ist gewissermaßen das Markenzeichen unserer Familie geworden. Dieser Rhythmus hat mich geprägt; er wurde zu meiner inneren musikalischen Uhr. Sie spielen mit Ihrer Formation „eberwein“ traditionelle Volksmusikstücke in neuem Gewand, spielen mit und an den Grenzen der Musikstile – wie es ja auch in der sog. Neuen Volksmusik weit verbreitet ist.

Was verstehen Sie unter Volksmusik und wie schätzen Sie deren Entwicklung ein?
In meiner Familie war es immer Tradition, die Musik neu zu interpretieren: Das hat mein Großvater mit seinen Liedern so gehandhabt, mein Vater mit seinen zahlreichen Musikstücken, und ich mache es mit meiner Musik ebenso. Der Reiz an der Musik liegt ja nicht in der bloßen Kopie, sondern in der künstlerischen Auseinandersetzung – zumindest für einen kreativen Musiker. Werktreue, wie sie z.B. die sogenannte „Klassische Musik“, d. h. die Ernste Musik beansprucht, hat es in der Volksmusik nie gegeben. Volksmusik hat bereits im 20. Jahrhundert anders geklungen als im 19. Sie wird sich selbstverständlich auch im 21. Jahrhundert verändern.

 

 

Marlene Eberwein entstammt der bekannten bayrischen Musikantenfamilie Eberwein (Gesangsgruppe Eberwein, Dellnhauser Musikanten). Sie studierte Harfe an den Konservatorien in München und Nürnberg und spielte u.a. in den Formationen „unterland“ und „crème duett“. Mit ihrer aktuellen Formation eberwein setzt sie mit ihrem „bairischen Kammersound“ ganz besondere Akzente im Kosmos der Neuen Heimatmusik. Marlene Eberwein an der Harfe spielt zusammen mit ihrer Band: Matthias Klimmer (Kl.), Stefan Lang (Tr./Perc.) und Max Seefelder (Kb.). Die vier Musiker kommen aus der bairischen Musiktradition, musizieren kammermusikalisch intim und kreieren einen unverwechselbar sympathischen Crossover-Sound zwischen Tradition und Moderne. Bestimmt vom Klang der Harfe spielen sie wunderbar virtuos mit den Grenzen der Musikstile. eberwein lässt die tänzerische Polka mit verspieltem Jazz oder melancholischem Klezmer verschmelzen. Duftige Walzer und rhythmische Zwiefache erfahren ihre Verjüngungskur durch gekonnte Improvisationen. Ein bairischer Klassiker wie die „Oide Kath“ ist neu zu entdecken, der Tango wird beim Unterwirt getanzt und „Das Männlein im Walde“ steht zwischen Musette und Zwiefachem.